|
„Hessens Zukunft“ 2010 – Milchrindzucht auf höchstem Niveau

Traditionell am ersten Samstag im Februar fand in diesem Jahr die Verbandsschau „Hessens Zukunft“ der Zucht- und Besamungsunion Hessen in Alsfeld statt. Wie gewohnt bot die Schau auch in diesem Jahr hochkarätige Wettbewerbe und Demonstrationen aller in Hessen gehaltenen und gezüchteten Milchrindrassen. Auch eine Reihe Thüringer Züchter hatte es sich nicht nehmen lassen, der Einladung der ZBH zu folgen und mit Kühen nach Alsfeld zu fahren. Darüber hinaus war der LTR mit einer Töchtergruppe des aktuellen Newcomers aus dem hiesigen Zuchtprogramm, dem Best-Sohn Budist vertreten.
Der Richtwettbewerb Mit einem 17 köpfigen Kontingent stellten sich die thüringer Züchter Preisrichtern und Wettbewerb. Gleich in der ersten Klasse der jungen Kühe startete Dirk Benkstein von der Agrarproduktion Goldene Aue, Görsbach mit GA Spotlight. Diese stilvolle, mit einem perfekten Euter ausgestattete Final Cut-Tochter erreichte eine 1b Platzierung und hielt damit die Familientradition hoch: ihre Mutter GA Zandra war Champion der „Grünen Tage 2004“ in Erfurt. Ebenfalls 1b Platzierungen erreichte Martin Rübesam aus Wiesenfeld mit zwei außergewöhnlichen Jungkühen, die hier ihr Schau-Debüt gaben: zum einen WFD Reginia, eine ganz korrekte Bolton-Tochter, zum anderen WFD Milla aus der Maryam-Dynastie, die mit Eleganz und einem hervorragenden Euter überzeugte und in ihrer Klasse mehr als knapp von der späteren Kategorie-Siegerin Goldwyn Kendra geschlagen wurde. Eine junge Kuh, von der noch viel zu erwarten ist. Mit zwei Erstkalbskühen war Christof Kästner von der Nessetalmilch GmbH Goldbach im Wettbewerb vertreten: die enorm feinzellige, noch voll in der Entwicklung stehende Starleader-Tochter NM Rosalyn erreichte 1e, ihre Stallgefährtin NM Crissby von Roy verließ als 1d Preisträger den Ring. Als unermüdlicher Schaubeschicker nahm Knut Kling vom Zuchtzentrum Gleichamberg auch in diesem Jahr an der Alsfelder Schau teil. Mit zwei respektablen Jungkühen von Mascol und Lucente im Wettbewerb vertreten, konnte er zweimal 1f mit nach Hause nehmen. Eine weitere Mascol-Tochter, die in Thüringen als Bullenmutter aber auch als Cover-Kuh des aktuellen Bullenkatalogs bekannte Kora, wurde von Holger Lange, AG Buchheim-Crossen ins Rennen geschickt: sie besetzte bei starker Konkurrenz einen ausgezeichneten 1d Rang! Fünf thüringer Kühe starteten in der mittleren Kategorie. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde der Auftritt der Siegerkuh jung vom vergangenen Jahr erwartet. Die Goldwyn-Tochter Lorey vom Zuchtzentrum Gleichamberg hatte damals wohl keiner auf dem Plan. Genau ein Jahr später präsentierte sie sich wiederum als außerordentlich korrekte Kuh, jetzt mit dem 2. Kalb. Sie begeisterte mit glasklaren Fundamenten und einem Supereuter. Äußerst knapp geschlagen rangierte sie auf 1b. Ebenfalls auf 1b kam die große, ausdrucksstarke Duplex-Tochter Perplex von Heinrich Hille, Berlingerode. Mit WHW Milena, einer selbstgezogenen Milkstar-Tochter war Volker Reichenbach von der Wippertaler Agrar GmbH Wolkramshausen nach Alsfeld gereist: die korrekte, körperstarke, knapp vierjährige Kuh rangierte auf einem soliden 1d Platz in ihrer starken Klasse. Komplettiert wurden die Ergebnisse dieser Alterskategorie durch einen 1g Rang für NM Sisco (Outside) von Nessetal Goldbach und eine 1h Platzierung für ZZ Fleur (Lexus) noch einmal vom Zuchtzentrum im südthüringischen Gleichamberg. Zu einem spannenden Höhepunkt speziell für die Thüringer wurde das Richten der Altkühe. Mit den beiden Drittkalbskühen WFD Mae und WFD Mandy war noch einmal Martin Rübesam in dieser Kategorie vertreten. Beide, über verschiedene Mütter auf WFD Integrity Madame und damit auf die Matt Misty-Dynastie zurückgehend, stellten einmal mehr die überragenden Exterieurqualitäten dieser außergewöhnlichen Kuhfamilie unter Beweis: Die Rubens-Tochter Mandy überstrahlte an diesem Tag alles und war speziell in Dairystrength, Skelettqualität und Rippenausprägung das Non plus Ultra der Schau. Folgerichtig rangierte sie auf 1a in ihrer Klasse. Auf andere Art, aber nicht weniger beeindruckend in ihrer Körperlichkeit, ihrer Kraft und dem true-type – Seitenbild dominierte WFD Talent Mae ihre Klasse und gewann den zweiten 1a Rang für den Rinderzuchtbetrieb Wiesenfeld. Das anschließende Stechen endete für sie mit dem Kategoriesieg und damit der Option auf den Championtitel der Schau. Parallel zu den schwarzbunten Holsteins wurde Rotbunt und Fleckvieh gerichtet. In beiden Rassen war der LTR mit jeweils einer Schaukuh präsent. Die rotbunte Avanti-Tochter Fiesta von der AG Buchheim-Crossen präsentierte sich als entwickelte, typstarke Jungkuh; in ihrer starken Klasse reichte es leider nur für einen 1f Platz. Ebenfalls auf 1f rangierte die Bospor-Tochter Mareike vom bekannten Fleckviehzucht-Betrieb Klaus und Katrin Dänner aus Kaltennordheim. Mareike zeigte sich als körperstarke, breite Jungkuh mit einem korrekten Fundament und ordentlich aufgehängtem Euter, entsprach damit aber nicht ganz den Vorstellungen des Richters, der die leichtere, dabei euterstarke Fleckviehkuh nach vorne stellte.
Nachzuchten Auch in diesem Jahr nutzten die ZBH und ihre Kooperationspartner die Gelegenheit, um mit Nachzuchtsammlungen auf neue Vererber aufmerksam zu machen. Dabei stellte die ZBH eine Töchtergruppe des Fleckvieh-Vererbers Vanstein vor. Im Holsteinbereich wurde die Nachzuchtschau von Töchtern des Titanic-Sohnes Timberjack eröffnet, ein recht kompletter Bulle, der schon im vergangenen Herbst anlässlich der Thüringer Holsteinschau in Laasdorf mit einer harmonischen Töchtergruppe in guter Erinnerung geblieben war. Daneben stellte die ZBH Nachzuchten der Rotbunt-Bullen Kairo und Konviol vor. Die Töchter beider Bullen präsentierten sich als typvolle, korrekte Kühe mit guten Fundamenten und hohen, fest aufgehängten Eutern. Auch die Rinderunion West nutzte das Alsfelder Podium und die Gelegenheit einen Newcomer in Rot vorzustellen: den Talent-Sohn Tableau, der mit guten Werten für Exterieur und hohen Eiweißprozenten interessant erscheint. Auch seine Töchter zeigten sich gut im Typ, korrekt im Körper und mit sehr guten Eutern ausgestattet. Für den LTR sicher ein Highlight der Veranstaltung: die Vorstellung des Best-Sohnes Budist. Sieben Töchter dieses kompletten, nahezu fehlerfreien Bullen wurden in Alsfeld vorgestellt. Sie präsentierten sich als recht körperstarke Kühe im mittleren Typ mit klaren, gut gestellten Fundamenten und drüßigen Eutern. Während der Präsentation der Töchtergruppe im Schauring kam das uniforme Erscheinungsbild dieser noch jungen Kühe besonders zur Geltung und fand viel Anerkennung beim versammelten Fachpublikum. Budist, nach Herkunft und Pedigree weitab vom mainstream gezogen, hat in Alsfeld eine erste Bewährungsprobe bestanden und gerade unter konventionellen Milchproduzenten Freunde gefunden.

Die aufgetriebenen Budist-Töchter wurden in dankenswerter Weise von folgenden Betrieben zur Verfügung gestellt: ZZ Gleichamberg, AG Niederpöllnitz, Milchland GmbH Veilsdorf, Saaleblick-Agrar GmbH Schleiz-Gräfenwarth, Erzeuger- und Handels AG Schloßvippach.
Championwahl Ein erster Höhepunkt der Veranstaltung war die Wahl des Hessen-Champion 2010. In einem beeindruckenden Abschlussbild stellten sich die Kategoriesieger aller gerichteten Rassen dem gemeinsamen Urteil der beteiligten Preisrichter. Ein höchst spannender Moment, der mit der Bekanntgabe des Champions aufgelöst wurde: Sieger und Hessenchampion 2010 wurde die überragende und im Laufe der Veranstaltung an Ausstrahlung zulegende Talent-Tochter WFD Mae vom Rinderzuchtbetrieb Wiesenfeld. WFD Mae`s Mutter, die allseits bekannte Rubens-Tochter Monica erreichte anläßlich „Hessens Zukunft“ 2007 an gleicher Stelle das gleiche Prädikat. Eine züchterische Leistung, die es anzuerkennen gilt. Glückwunsch an Martin Rübesam nach Wiesenfeld.
 Siegerbild von WFD Mae mit Züchter Martin Rübesam (l) und Vorführer Cord Hormann (r)
Sonderauktion Zu einem echten Höhepunkt der Veranstaltung und aus dem Konzept „Hessens Zukunft“ nicht mehr weg zu denken, hat sich die Top-Genetik-Auktion gemausert. Die angebotenen Tiere und Pedigrees sind gut sortiert, umfassen ein weites Spektrum und bieten nahezu für jeden Geschmack etwas, wobei sich der hohe Qualitätsanspruch wie ein roter Faden vom ersten bis zum letzten Los durch den Verkaufskatalog zieht. Entsprechend hoch ist das Interesse und vergleichsweise ungebremst die Kauflust des in- und ausländischen Publikums. Mit WHW Harmonie konnte auch ein thüringisches Jungrind Aufnahme ins Angebot finden. Dieses typstarke, rahmige Rind mit US-amerikanischen Wurzeln wurde von Volker Reichenbach von der Wippertaler Agrar GmbH Wolkramshausen gezüchtet und mit Erfolg angeboten. Es wechselte für 4000€ den Besitzer.
Die ZBH-Verbandsschau „Hessens Zukunft“ gestaltete sich auch in diesem Jahr als Motor der Verzahnung beider Verbände. Noch nie hatten so viele thüringische Betriebe im Vorhinein ihr Interesse angemeldet, in Alsfeld Kühe auszustellen. Und noch nie war das Kontingent der letztendlich angereisten Ausstellungs- und Nachzuchtkühe so groß wie 2010. Die thüringer Aussteller und Beteiligte erlebten „Hessens Zukunft“ einmal mehr als perfekt organisiertes, reibungslos funktionierendes Ereignis, dass längst auch zu einem Höhepunkt im thüringischen Kalender geworden ist. In diesem Sinne Dank an Veranstalter und Organisatoren.
|